Kaiser, Lina: Indy

Paperback,

ca. 192 Seiten

ISBN 978-3-89741-428-0

 

Auch als eBook erhältlich

 

Erscheint im März 2019
Gerne merken wir Ihre Bestellung vor.

14,00 €

  • 0,4 kg
  • 3 - 5 Werktage Lieferzeit

Inhalt

Maya steckt mit fünfundzwanzig voll in der Sinnkrise. Frisch verlassen und ohne Plan, wie es nach dem Studium weitergehen soll, verkriecht sie sich in ihrer Wohnung. Als Kind hatte sie von einem Leben als Abenteuerin geträumt. Doch diese Träume sind längst verloren. Plötzlich steht Pia, eine alte Bekannte, vor der Tür. Die beiden haben sich lange nicht mehr gesehen, und für Maya hätte das auch so bleiben können. Doch Pia hat einen alarmierenden Brief bei sich. Er stammt von Noemi, einer gemeinsamen Freundin aus Kindheitstagen. Der Brief versetzt auch Maya in Schrecken, denn er klingt nach einem geplanten Selbstmord! Maya und Pia brechen auf, um nach Noemi zu suchen – es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Spur führt sie von Köln über Berlin bis nach Rom. Unterwegs finden sie nicht zuletzt zu sich selbst und sogar zueinander …

 

Leseprobe

 Es war nicht explizit Flugangst, an der Maya litt. Es war die Gewissheit, nichts ausrichten zu können, wenn die Maschine, in deren Bauch sie sich befand, den Geist aufgeben würde. Die völlige Abhängigkeit ihres Lebens von einer Technik, die sie absolut nicht verstand und die ihr augenblicklich die Frage aufnötigte, wieso sie dann überhaupt hier saß?

»Du musst dich entspannen, Maya!«, sagte Pia. »Das hier ist nichts im Vergleich zu meinem Flug nach Bombay. Gleich nach dem Start sind wir in ein irres Luftloch geraten und hunderte Meter nach unten gesackt. Alles hat geschrien!«

Starr in ihrem Sitz verkrampft, konnte sie Pia, die grinste, als würden sie eine lustige Achterbahnfahrt machen, nur die Augäpfel zudrehen. Dann sackte der Flieger jäh, ihr Magen senkte sich, als befänden sie sich eher auf einem Free-Fall-Tower statt einer Achterbahn, und plötzlich krachte es über ihren Köpfen – die Sauerstoffmasken flogen aus der Decke! Nun sah Maya auch in Pias Augen einen Anflug des Entsetzens aufflackern. Schnell griffen sie nach den gelben Masken, als eine Stewardess durch die Boeing rief: »Meine Damen und Herren, bitte bleiben Sie ruhig! Es besteht kein Grund zur Sorge. Die Masken haben sich durch einen Defekt gelöst!« Na super! Maya wusste nicht mehr, wo sie hinsehen sollte. Ihre Brust hob und senkte sich ohne Rhythmus. Pia lachte auf: »Hej! Du kannst dich immer entscheiden!« Sie strahlte, während Maya nur noch fähig war wahrzunehmen, wie Pias Zopf genau wie die baumelnden Masken vor ihren Köpfen mit jedem Rattern der Maschine auf und ab vibrierte. Auf, ab, auf, auf, ab, ab …

»Entweder du betrachtest das hier als Ritt an der Kante des Todes«, sprach Pia weiter. »Oder du siehst es als spannende Anekdote, die du demnächst allen erzählen kannst! Wie mit Tarot-Karten: Es ist das, was du draus machst!«

Nach diesem Satz kniff Maya die Lider zu und schaute nicht mehr hin, bis das Flugzeug zum Ladeanflug über Rom ansetzte. Als ihr Fuß festen Boden berührte, war sie kurz verleitet, sich auf die Knie fallen zu lassen und den Asphalt zu küssen. Sie konnte sich gerade so zusammenreißen. Tatsächlich durchschritt sie die Ankunftshalle des Fiumicino Flughafen Leonardo da Vinci beseelt von dem Gefühl, noch am Leben zu sein.


Autor_in

Lina Kaiser