Isabel Rohner: Schöner morden

 

Paperback | ca. 184 Seiten | ISBN 978-3-89741-433-4

Auch als eBook erhältlich

 

Erscheint im August 2019
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Inhalt

Eine führende Mitarbeiterin der Kölner Künstleragentur Ars Artis findet den Tod. Es ist kein natürlicher und die Frau war die Lieblingsfeindin aller, daher gerät letztlich die ganze Agentur samt Umfeld unter Mordverdacht. Und ausgerechnet jetzt stehen Castings für einen neuen Kinofilm und den Tatort an!

Autorin Linn Kegel, die früher bei Ars Artis jobbte, soll aushelfen. Das Geld kann sie gut gebrauchen, sie hat kaum noch welches und die Haushaltskasse ist leer. Noch weniger aber hat sie Zeit: In drei Tagen muss sie das Exposé ihres neuen Krimis vorlegen. Der Verlag drängelt unbarmherzig. Linns Erfolg »Weiberherz« liegt ein paar Jahre zurück, und wenn ihre WG-Mitbewohnerin sie »Frau Bestseller« nennt, ist das leider ironisch gemeint. Das Beuys-Zitat über dem Schreibtisch, »Wer nicht denkt, fliegt raus!«, droht sich zu bewahrheiten. So bleibt der Wahlkölnerin nichts anderes übrig, als sich fluchend aufs Vintage-Fahrrad zu schwingen, um zur Agentur zu strampeln.

Dort erwartet Linn ein Panoptikum schräger Gestalten: Da sind die beiden ältlichen Firmenchefinnen, die dunkle Geheimnisse hüten, eine Angestellte, die sich einen Liebhaber als Alibi erfindet, und allerlei vom Ehrgeiz zerfressene Künstler und Karteileichen: schöne Tenöre, Schnepfen und Schnepferiche, Soap-Sternchen mit diesem gewissen Ich-bin-zu-allem-bereit-macht-mich-nur-schnell-berühmt-Blick und ein missgünstiges Männermodel. Wenn man so will, wurde bei Ars Artis nicht nur eine Mitarbeiterin, es wurden tagtäglich auch die schönen Künste ermordet …

Leseprobe

Maik Matuschke war also tot, lag erschossen auf einem verlassenen Schrottplatz, sein starrer Blick bohrte sich in die untergehende Sonne. Polizistin Sabine stand vor dem Bösewicht, die entsicherte Waffe in der Hand, und wusste genau, was nun zu tun war. – Ganz im Gegensatz zu Linn: Die kannte, wenn sie ehrlich war, noch nicht einmal die Vorgeschichte, geschweige denn die Fortsetzung der Szene, und die Polizistin Sabine hatte sie erst vor einer Stunde auf dem Klo erfunden.

»Schiissdräck, verdammt nommol«, fluchte sie im breitesten Ostschweizer Dialekt. Zornig drückte sie auf Löschen. Das Schicksal von Maik Matuschke und die ungewisse Zukunft von Sabine lösten sich in Nichts auf. Die Datei, der sie vorsorglich den optimistischen Titel ›Mein neuer Bestseller‹ gegeben hatte, war wieder leer, genau wie an den Tagen zuvor. Entnervt starrte Linn auf den Bildschirm. Was war nur geschehen? Früher, ja, da schwappte sie förmlich über vor Geschichten. Ein-mal hatte sie es sogar geschafft, in vier Wochen eine nagelneue Computertastatur zu ruinieren. So viele Ideen hatte sie!

Linn strich sich eine feuerrot gefärbte Strähne aus dem Gesicht und kratzte sich am Hinterkopf. Damals hatte sie an jedem Schreib-Wettbewerb teilgenommen! Einen hatte sie so-gar gewonnen, den »Putlitzer Preis« mit einem sensationellen Preisgeld von 150 Euro. Die waren direkt für Fahrt und Übernachtung draufgegangen. Dafür wusste sie jetzt, wo Putlitz lag und dass selbst solche Käffer quasi ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen waren. Aber Preis war schließlich Preis.

Das schrille Klingeln des Telefons riss sie aus ihren Gedanken. Kaum hatte sie es am Ohr, meldete sich eine Stimme, die ihr nur allzu bekannt war.

»Frau Kegel, wie sieht's denn nun aus?«

Linns Magen krampfte sich zusammen. Ihr Verleger Jo Hart-mann klang mal wieder ziemlich genervt.

»Herr Hartmann, wie schön, dass Sie anrufen!« Sie gab sich alle Mühe, cool zu wirken. Doch sie wusste es genau: Diesmal hätte er keine Geduld mehr mit ihr. Kurzerhand drückte sie auf Rückgängig und Matuschke reinkarnierte sich auf dem Schirm. Der Rest konnte doch so schwer nicht sein!


Autor_in

Isabel Rohner