Liertz, Martina-Marie: Julipläne

Paperback,

ca. 125 Seiten

ISBN 978-3-89741-430-3

 

Erscheint im Mai 2019
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Inhalt

Ein heißer Sommer hängt über Berlin. Deborah Gronwald ist froh, nach Italien entkommen zu können, wo ihre Freundin Louise eine toskanische Villa besitzt. Doch hier, nahe dem malerischen Lucca, legt sich Deborahs Ferienstimmung schnell wieder. Erstens hat sich Louise doch tatsächlich einen Lover zugelegt. Zweitens gibt es Arbeit, denn dieser Schmierlappen vermisst seine ausgesprochen attraktive Cousine Arianna. Von deren Foto fasziniert, macht sich Deborah, Steuerberaterin und Detektivin aus Leidenschaft, auf die Suche, nur um sofort in Schwierigkeiten zu geraten, die sie über italienische Keller und Garagen direkt in den Filz der Baubranche führt. – Gelesen werden kann »Julipläne« als eigenständige Geschichte oder auch als Fortsetzung von »Januarrot«.

Leseprobe

Wieder schlich ich um die Via del Carme herum, postierte mich in Toreinfahrten und an Hauseingängen, suchte die Gesichter der Frauen ab, die vorbeigingen. Und plötzlich hatte ich Angst, ich könnte ihr tatsächlich begegnen. Der wirklichen Arianna, der Fremden …

Via del Fosso, Grabengasse. Ich machte ein paar Fotos von Blumenkisten und grünen Fensterläden. Die Nummer 98 hatte eine Haustür in verblichenem, staubigem Rot, das mir sehr gefiel. Ein altes Rot, mit Rheuma in den Knochen, aber rüstig und munter. Ein Rot wie aus einem Renaissancebild. Wie das Mieder irgendeiner Herzogin. Ich lehnte mich an ein Mäuerchen, summte zufrieden vor mich hin und machte ein Foto vom Mieder der Herzogin. Imaginierte es über meinem Schreibtisch, mir mein kaltes, zynisches Herz zu wärmen an frostigen Wintertagen. Ich verriegelte den Kameraverschluss, damit ich nicht aus lauter Schusseligkeit dauernd meine eigene Tasche von innen fotografierte, und sah auf.

Arianna!

Ich wollte rufen, schnappte nach Luft.

Sah noch mal hin, weil ich mich sicher getäuscht hatte. Sah den schnellen, energischen Gang, sah, wie sie die lyrische Haarsträhne hinter das linke Ohr schob, den Kopf leicht gesenkt wegen der Sonne. Sie verschwand in Nummer 98. Ich warf mir die Tasche über die Schulter, die Haustür war halb offengeblieben, ich rannte über die Straße, stürzte in den dunklen Hausflur, vergaß, dass ich die Sonnenbrille noch aufhatte, sah die Treppe nicht, die nach unten führte, trat ins Leere und stürzte kopfüber ins Dunkel. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen, von dem ich nur wahrnahm, dass es aus meinem Kopf kam, als er auf Steinboden aufschlug, verlor ich das Bewusstsein. (…)

 

Sie tippte sich gegen die Stirn. »Cervello?«

»Gehirn!«, sagte ich.

»Ah, sei tedesca. Gechirnn. Gechirnn…« Sie machte eine Bewegung, als ob sie einen Drink mixte. »Agitato. Confusione.«

»Gehirnerschütterung!«, sagte ich.

»Gechirnnershützerung!«, wiederholte sie spitzmäulig. Ich liebte sie für jeden einzelnen Buchstaben.